Sydney

Am Donnerstag landete ich um 9:30 Uhr Ortszeit in Sydney, Australien. Wie immer dauerte die Einreise Stunden und erst um 11:00 Uhr stand ich endlich fertig und völlig geschafft vor dem Flughafen. Ich konnte erst um 14:00 Uhr in meinem Hostel einchecken und beschloss, den Tag mit einem Kaffee in der Sonne zu beginnen. Gleich vor dem Flughafen fand ich ein nettes kolumbianisches Café mit Bänken in der Sonne. Der Kaffee schmeckte wieder köstlich und das getoastete Bananenbrot war ein Traum. Endlich wieder richtige Zivilisation, Menschen auf der Straße, warme Sonne, richtiger Kaffee und ich konnte auch die Milch wieder trinken! Ich blieb dort für zwei Stunden, schrieb meinen Blog, aß ein Bananenbrot und trank zwei große Tassen Kaffee. 
Dann fuhr ich mit der Metro in die Stadt und lief zu meinem Hostel. Die Großstadt überwältigte mich nach drei Monaten neuseeländischer Einsamkeit. Erst jetzt merkte ich wie sehr ich die Zivilisation, das geschäftige Treiben einer Metropole, volle Straßencafés, Restaurants und Bars vermisst habe und ich wußte, in der Abgeschiedenheit könnte ich doch niemals für immer leben. 
Mein Hostel liegt mitten in „The Rocks“, dem touristischen Zentrum von Sydney und einem sehr guten Viertel. Luxushotels stehen direkt daneben und am Abend sind die Straßen voll mit Anzug und Kostüm tragenden Geschäftsleuten. Von der Dichterasse aus habe ich den besten Blick auf die Oper und die Harbourbridge, beides nur zehn Minuten Fußweg entfernt. 

Sydney Opera House

Blick von der Dachterrasse meines Hotels
Ich checkte ein, packte meine Sachen aus und rief Felix, meinen Cousin, an. Er hat zwei Jahre in Sydney gelebt und das Leben in dieser Metropole geliebt. Ich fragte, wo ich hingehen könnte und er meinte, ich solle Essen gehen im Darling Harbour und wenn ich einmal dort sei, könne ich gleich seinen ehemaligen Kollegen von der Harbour Cruise Hallo sagen. Weil ich für ein wenig Kultur gestorben wäre, fragte ich ihn, ob es möglich sei, in die Oper zu gehen und er sagte, das glaube er nicht. Es sei bestimmt zu kurzfristig und sowieso zu teuer. Ich war etwas enttäuscht, aber eigentlich hatte ich mir das schon gedacht. Ich ging an die Rezeption meines Hotels und fragte, wie ich zum Darling Harbour komme. Schon fast am gehen riefen sie mir plötzlich hinterher. Ob ich Zeit hätte am Abend und ob ich alleine wäre. Ich sagte ja und sie fragten, ob ich vielleicht in die Oper gehen wolle. Ein Hotelgast konnte nicht gehen und hatte seine Karte an der Rezeption gelassen, für jemanden, der vielleicht an seiner Stelle gehen wollte. Was für eine Fügung! Natürlich nahm ich die Karte überglücklich. Umsonst in die Oper! In Sydney!! Das war unglaublich! Voller Freude lief ich zum Darling Harbour, besuchte die ehemaligen Kollegen von Felix, aß köstliche Hähnchenschenkel mit Kartoffelbrei und lief zur Oper. Die Karte war für ein Musicaltheater auf einer der kleineren Studiobühnen in dem Sydney Opera House. Es hieß Pennsylvania Avenue und erzähle die Geschichte der Sekretärin im Weißem Haus. Vierzig Jahre war sie die Sekretärin der Präsidenten der Vereinigten Staaten und nun verläßt sie das Weiße Haus, um in Rente zu gehen. Dabei erzählt sie ihre eigene Geschichte und viele kleine Ausschnitte aus ihren Erlebnissen im Weißen Haus, wie Marilyn Monroe kam, um Happy Birthday für den Präsidenten zu singen und man ihre Unterwäsche durch das weiße Kleid sehen konnte, wie Kennedy erschossen wurde oder wie Reagan sie bat, sich seine Rede für Berlin anzuhören und sie ihm vorschlug, enthusiastischer zu sein und zu rufen „Mister Gorbatschow, Mister Gorbatschow!! Tear down that wall!“ Das ganze Stück wurde von nur einer Darstellerin gespielt, Bernadette Robinson, und sie war eine großartige Sängerin und Schauspielerin. Als die Worte Reagans am Brandenburger Tor kamen und in den digitalen Bilderrahmen auf der Bühne die Bilder vom Mauerfall gezeigt wurden, hatte ich Tränen in den Augen. Wäre dieser Tag nicht gekommen, dann säße ich jetzt nicht hier. Es war ein bewegendes und überwältigend gespieltes Stück – vielleicht eines der besten, die ich je gesehen habe. 
Überglücklich lief ich nach der Vorstellung hinaus und fand die Bars voll mit Menschen, die sich nach der Arbeit mit Kollegen und Freunden trafen, ein Bier tranken, lachten und erzählten. Wie sehr ich das vermisst hatte, Menschen, Leben! Und ich drehte mich noch einmal zur Oper um und plötzlich begann ein Feuerwerk – direkt hinter der Oper. Perfekter hätte dieser Tag nicht enden können!

Am nächsten Tag genoss ich es, einfach nur in einem Café zu sitzen und die vorbeieilenden Menschen zu beobachten. Ganze zwei Stunden machte ich nichts anderes und lief danach zurück zum Opera House. So sehr dürstete es mich nach Kultur, dass ich nochmal in die Oper wollte. Ein Ballett oder ein Konzert oder vielleicht sogar beides! An der Kasse fragte ich und es waren noch genügend Karten da, sogar für den gleichen Abend. Der Preis war nicht viel teurer als ich es von Erfurt kannte. Ich kaufte mir eine Karte für den gleichen Abend und eine für Montag. Ein Ballett und ein Konzert und für beide Karten zahlte ich zusammen nur 95 Euro. Ich freute mich, dass ich die Karten bekommen hatte und fuhr mit der Fähre nach Manly, einem Stadtteil von Sydney, der für seine entspannte Surfer-Atmosphäre bekannt ist. Ich lief am Strand entlang, ging im Meer baden, genoss die Sonne und fuhr wieder zurück nach Sydney.

Ich beeilte mich, um wieder zurück ins Hostel zu kommen, zu duschen, mir ein Brot zu machen und wieder zurück zur Oper zu laufen. Das Ballett  hieß Vitesse und wurde im Joan Sutherland Theater gespielt, einem der zwei großen Säle in dem Opera House. Ich saß ganz oben und ganz hinten und hatte einen wirklich guten Platz. Keiner saß vor mir und ich hatte einen freien Blick auf die ganze Bühne. Das Ballett war gut, jedoch nicht so gut wie ich es erwartet hatte. Die Tänzer tanzten mit Perfektion für die Bewegung aber die Choreografien waren zu schwach für das was die Tänzer eigentlich hätten tanzen können. Sicher empfinde nur ich das so, weil ich selbst so viele Jahre getanzt habe und mein Anspruch an ein Ballett ein anderer ist. 

Samstag ging ich auf den Markt, frühstückte in einem niedlichen kleinen irischen Café, in dem alles umstrickt war und verbrachte den Rest des Tages an den weltberühmten Surferstränden von Sydney – Bondi Beach, Bronte Beach und Coogee Beach und abends ging in das Restaurant Bavaria und gönnte mir ein richtig gutes deutsches Essen – Krustenbraten mit Rotkraut und Bratkartoffeln.

Die Surfer warten auf die perfekte Welle…

Sonntag beschloss ich, einen Tag wie jeder andere Bewohner von Sydney zu verbringen. Ich ging frühstücken in ein lokales Café im Zentrum und fuhr danach mit der Metro nach St. Peters, wo eine der Kletterhallen von Sydney liegt. Ich verbrachte den Tag in der Kletterhalle, ging danach im Supermarkt einkaufen, kochte und erledigte Banksachen. Ein ganz normaler Sonntag. 😉
Und heute ist Montag und nachdem ich gestern eine deutsche Bäckerei gefunden und mir ein „echt deutsches Mischbrot“ gekauft habe, startete mein Tag so:

die Frühstücksterrasse im Hostel
Seitdem sitze ich auf der Dachterrasse, erledige Banksachen und schreibe Blog. Das Wetter ist heute etwas kälter als sonst und windig. Es wird Herbst hier und die Tage werden kühler. Trotzdem scheint immer die Sonne und auch jetzt sind es in der Sonne noch gute 25 Grad. 
Sydney gefällt mir so gut, dass ich aus den geplanten 3 Nächten 6 Nächte gemacht habe. Am Mittwoch werde ich dann nach Melbourne fliegen, noch ein paar Tage mit Björn und Steffi, Rafael und Laura verbringen und dann nach Bali weiterreisen. 

Hinterlasse einen Kommentar