Udaipur

Am Donnerstagmorgen fuhren wir nach einem ausgiebigen Frühstück nach Udaipur.

Zwei kleine Zwischenstopps machen die lange Fahrt etwas kürzer. Erst halten wir mitten auf dem Land an einer der ursprünglichen Bewässerungsanlagen. Ochsen drehen ein Rad, das eine Kette mit vielen kleinen Eimern bewegt und Wasser aus dem Fluss nach oben befördert. Oben fließt es über ein Kanalsystem auf die Felder. Gemütlich sitzen die Bauern daneben und rauchen, während die Ochsen alleine stoisch ihre Runden drehen. Fürs Foto setzt sich dann aber doch einer auf den Sitz, von dem aus die Ochsen zur Eile angetrieben werden. 😉

unser Fahrer Raj
Der zweite Zwischenstopp ist der „Garten der Jungfern“ (Saheliyon Ki Bari) – schon in Udaipur selbst. Es ist ein groß angelegtes Areal, das im Grunde auch die EGA im Sommer sein könnte. 

aus irgendeinem Grund werden Planzen hier nicht eingepflanzt sondern in Töpfen gelassen

Arbeiten ist immer mit vielen Pausen verbunden.

In Udaipur angekommen, müssen wir für das letzte Stück das Auto stehen lassen und ein Tuktuk nehmen. Unser Auto ist zu groß für die engen Gassen von Udaipur. Die Stadt ist direkt an den Lake Pichola gebaut, der Seepalast sogar auf den See selbst. Vieles erinnert an Venedig und plötzlich fühlen wir uns wie in Italien und nicht mehr wie in Indien. Udaipur gilt als die romantischste Stadt Indiens. Nun, was die Hochzeiten anbetrifft, deren Zeugen wir hier wieder wurden, stimmt das wohl. Gut und gerne 5 Hochzeiten sahen wir in den zwei Tagen, die wir in Udaipur verbrachten. Dabei waren das keine kleinen Hochzeiten – für eine wurde sogar eine ganze Insel gemietet und komplett geschmückt und mit LED-Lichtern beleuchtet. Die Musik haben wir noch einige Kilometer weiter in unserem Hotel gehört. Als wir am nächsten Tag auf gerade diese Insel fuhren, sahen wir noch wie sieben LKW’s Deko-Materialien abtransportiert wurden. Diese Hochzeiten begleiteten uns und faszinierten immer wieder.
Hochzeit-Location

die Reste der Deko
Unser Hotel in Udaipur war zwar deutlich weniger luxuriös als das in Narlai, dafür war der Besitzer sehr viel freundlicher und aufgeschlossener. In dem königlichen Hotel in Narlai war es uns am Ende doch ein wenig zu royal. 😉 
Dieses Hotel lag direkt am Wasser und unser Panoramafenster erlaubte uns, Tag und Nacht den Blick zu genießen, für den allein viele Touristen nach Udaipur reisen. Unser Frühstück gab es auf der Dachterasse, mit einem ebenso schönen Blick. Lange ließen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen während wir unseren Kaffee tranken und die frischen Früchte schlemmten.
Frühstück auf der Dachterrasse

unser Blick aus dem Fenster

unter unserem Fenster wurden erst die Kinder und dann die Wäsche im Fluss gewaschen
Udaipur selbst ist sehr viel moderner, internationaler und aufgeschlossener als das Bergdorf Narlai und wir freuten uns, wieder durch die Straßen gehen zu können, ohne von allen angestarrt zu werden. Wir freuten uns, auch Frauen auf Mopeds fahren und in Geschäften arbeiten zu sehen. In den Bergdörfern war das nicht so gewesen. Frauen standen dort noch immer weit unter dem Mann, was auch wir oft zu spüren bekommen haben, wenn wir von Männern in unserem Hotel bedient wurden oder auf der Straße allein unterwegs waren. In Udaipur war es ganz anders. Wir konnten wir selbst sein und offen in die Augen der Menschen sehen, an denen wir vorüber gingen, konnten einen Scherz mit einem der Obsthändler machen oder ein gutes Gespräch mit einem Kaffeebesitzer führen. Überhaupt – es gab Kaffee nach europäischem Standard in der auf die Touristen eingestellten Innenstadt. 
Hier ein paar Eindrücke aus den Straßen von Udaipur:

Udaipur hat ca. 500.000 Einwohner und war zu Zeiten von Akbar die Hauptstadt des Reiches Mewar. 
Im Jahr 1568 eroberte der Großmogul Akbar die Stadt Chittorgarh und der damalige 13 jährige Herrscher von Mewar, Rana Udai Singh II, verlegte die Hauptstadt nach Udaipur. Nach der Unabhängigkeit Indiens wurde Mewar in den Bundesstaat Rajasthan integriert.
Die Geschichte erzählt, dass Rand Udai Singh II auf der Suche nach einer neuen Hauptstadt für sein Reich in die Hügellandschaft von dem heutigen Udaipur gekommen ist. An einem Fluss sei ihm ein Weiser erschienen, ein Asket, der meditierend an dem See saß. Er habe Udai Singh prophezeit, dass er seinen Palast an genau dieser Stelle errichten solle und ihm auf ewig Glück beschieden sei. So hat es Udai Singh dann getan. Noch heute erinnert ein Gedenkstein im Stadtpalast und ein kleiner Schrein zu Ehren des Asketen daran.
Unseren ersten Tag verbrachten wir an unserem Panoramafenster und mit einer kleinen Runde durch die uns umgebenden Gassen. Wir fanden den nahe gelegenen Hindu-Tempel und kamen genau zur rechten Zeit. Es war ein besonderes Fest der Hinduisten, das es nur einmal im Jahr gibt. Wir durften den Tempel betreten – allerdings keine Fotos und Videos machen. Ich habe kurzerhand eine Tonaufnahme gemacht aber leider funktioniert der Upload in diesen Blog nicht… :-/
Frauen saßen in der Mitte des Tempels im Schneidersitz auf dem Boden. Sie waren mit Jasminblüten geschmückt und warteten darauf, dass der Altar für die Opferdarbietenden geschlossen wurde, die in einer langen Prozession an dem mit einem Vorhang verschlossenen Altar vorbeizogen. Als sich das Tor zum Altar schloss, begann ein mann in der Mitte, die Trommel zu spielen und alle Frauen fielen in einen Gesang ein, der gute zehn Minuten dauerte und mal langsam, mal schneller wurde. Die Priester zündeten kleine Feuer an und der Rauch des Incent zog durch die nach außen offene Halle des Tempels. Der Gesang wurde immer schneller. Ein Mann, der wohl einer der Priester war, schien wie in Trance verfallen. Die ganze Zeremonie hatte einen mystischen Charakter und jedes Mal erinnerte uns ein solches Hindu-Gebet an den Indiana Jones Film. Die Trommeln wurden schneller, der Gesang der Frauen lauter und plötzlich öffnete sich der Vorhang und dahinter war eine dreiköpfige schwarze Figur des Gottes Krishna – davor ein Feuer. Alle Frauen riefen und warfen ihre Jasminblüten nach vorne während ein oberkörperfreier Priester mit einem Wedel aus Pfauenfedern den Rauch des Feuers in die Menge verteilte. Später wurde das geweihte Essen an die Gläubigen verteilt. Es war beeindruckend, Zeuge dieser Zeremonie zu sein und es erklärt mir einmal mehr, warum wir als Europäer niemals als Freunde in die Kultur der Hinduisten aufgenommen werden würden. Jeder Inder begegnete uns mit einer distanzierten Freundlichkeit aber selbst unser Fahrer Raj lies uns nie wirklich in seine Welt. 
Gleichzeitig fiel mir auf, dass die Zeremonien der Religionen sehr ähnlich sind. Auch wir als Christen zünden Weihrauch an, auch wir machen Opfergaben, singen und verteilen gesegnetes Essen und geheiligtes Wasser. Mögen es mir die gläubigen Christen unter euch verzeihen, aber vielleicht sind die Religionen dieser Welt in ihrem Ursprung gar nicht so weit voneinander entfernt wie wir glauben.

Am Abend trafen wir uns mit Raj zum Abendessen und er zeigte uns seine Lieblingsessen und lud uns auf einen Whiskey ein. 
vom Restaurant hatten man einen wundervollen Blick auf den See

Am Freitag frühstückten wir ausgiebig auf unserer grandiosen Dachterrasse und liefen zum Stadtpalast. Der Stadtpalast war die Hauptresidenz des Maharana Udai Singh II.

Nach unserer Tour durch den Stadtpalast kauften wir uns die Tickets für eine Bootsfahrt und fuhren zu Jagmandir Island – eine kleine Insel auf dem Lake Pichola.

unser Hotel und unser Panoramafenster ganz oben links

der Seepalast

Danach drehten wir noch eine kleine Runde durch die Altstadt von Udaipur und landeten auf dem lokalen Bazaar.

Es war der letzte Abend unserer Reise. Wir sahen uns in dem City Museum eine einstündige Folklore Show an und am nächsten Morgen flogen wir schon zurück nach Delhi.

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