Indien

Ich sitze hier in Jaipur in unserem eigenen kleinen von Mosaikfenstern umschlossenen Innenhof und über mir ist nur der Himmel mit tausendundeinem Stern. Die monotonen Minarettgesänge der nahen Moschee erfüllen die Nacht und mit einem Glas indischen Wein in der Hand fühle ich mich wie die Frau des Maharadschas, mitten in einer traumhaften Märchenwelt. 
unsere eigene kleine Tausendundeinenacht-Terrasse 
Seit über einer Woche bin ich schon unterwegs. Am 21.01.2016 bestieg ich in Frankfurt die Maschine der British Airways und flog nach Indien, Bangalore, um bei der Hochzeit einer guten Freundin in Mysore dabei zu sein.
Am 29.01. traf ich mich dann mit meiner Mutti am Flughafen in Delhi. Wir haben einen wunderbaren Tausendundeine Nacht- Urlaub durch Rajasthan gebucht und werden die nächsten neun Tage mit einem privaten Fahrer an den schönsten Bauwerken dieser Welt vorbeifahren und von Maharadschas, juwelenbesetzten, edelsteindurchwirkten, glitzernden Marmorfassaden und jasmingeschmückten Gärten träumen.
Dieses Land hat uns mit seinen Gegensätzen gefangen genommen. Wunderschöne Frauen laufen in leuchtend roten, blauen, orangenen, smaragdgrünen, gelben, pink- und türkisfarbenen, mit Goldfaden und Schmucksteinen besetzten Sari durch von Sand, Dreck und Smog verstaubte Straßen. Sie  tragen riesige Körbe voll allerhand Sachen auf den Köpfen und zwängen sich vorbei an Kühen, die einfach überall faul herum liegen und stehen, zwischen Hunden, Schweinen und Pferdewagen, Ochsen, Kamelen, Motorrädern mit ganzen Familien darauf, im Schmutz spielenden Kindern, Autos, bis zur Unkenntlichkeit verrosteten und zerbeulten Bussen und beinlosen Bettlern. Sie sammeln Kuhdung und trocknen ihn am Wegesrand, um damit später das Feuer in dem kleinen Raum zu beheizen, der für die fünfköpfige Familie Küche, Wohn- und Schlafzimmer zugleich ist. Sie handeln auf dem morgendlichen Gemüsemarkt und tragen das Erkaufte in die Stadt, wo sie es selbst wieder verkaufen. Und sie schaffen es mit ihrer strahlenden Eleganz, in diesem Chaos eine Erinnerung daran zu geben, wie erhaben und glanzvoll das Reich der einstigen Maharadschas gewesen sein muss. 

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