Corn Island

Dia de las Madres – Muttertag! In Nicaragua Grund genug, um die Schule für zwei Tage ausfallen zu lassen. Meine Mitbewohner Lotte und Eli-Jah hatten auch den Mittwoch schon frei und beschlossen, die fünf Tage Freiheit für einen Ausflug nach Corn Island zu nutzen. Es war meine zweite Woche in Granada, wir hatten jeden Tag Probe für unser Theaterstück zum Kindertag und eigentlich hätte ich es mir nicht erlauben können. Trotzdem flog ich mit den beiden. Mittwoch musste ich ja nicht unterrichten sondern nur als Tutor in der zweiten Klasse aushelfen und ich fragte meinen Ayudante Juan Carlos, ob ich da mal fehlen dürfte. Er meinte ich müsste das im Büro fragen und fügte nach kurzer Pause mit einem Zwinkern hinzu: „Aber wenn du nichts sagst, sag ich auch nichts.“ :o)

Ich kaufte für 160 USD einen Hin-und Rückflug nach Big Corn Island, erschien an diesem Mittwoch also nicht in der Schule und auch nicht zur Theaterprobe (die sowieso immer das Gleiche war) und nahm mit Lotte und Eli-Jah um vier Uhr morgens ein Taxi zum Flughafen in Managua.
Nach dem check in betraten wir erwartungsvoll die Rollbahn und freuten uns über das doch recht große Fllugzeug, fotografierten es… und merkten, dass es nicht unser Flugzeug war. Direkt dahinter standen 4 kleine Propellermaschienen, die auf uns warteten. Ganze 8 Personen passten in ein Flugzeug.
das dachten wir iist unser Flugzeug
… und das war unser Flugzeug

wir saßen direkt hinter den Piloten
Eli-Jah ist sich noch nicht sicher, dass wir das überleben werden
Wir hoben um 6 Uhr ab und schon kurz nach dem Start schalteten die Piloten den Autopiloten ein – und lasen Zeitung, frühstückten ausgiebig, lösten Kreuzworträtsel und dösten mit geschlossenen Augen vor sich hin. Es kann durchaus auch Vorteile haben, nicht direkt hinter den Piloten in einer anonymen Boing zu sitzen…
Zeitung in der Frontscheibe – schließlich blendet die Sonne…
Wir landeten auf Big Corn Island und nahmen nach einem Frühstück am Hafen das Speedboot nach Little Corn Island. Speedbootfahren war noch nie meins aber dieses Speedboot glich einer Achterbahnfahrt. Trotz Reisetablette bin ich nach 20 Minuten ganz grün im Gesicht ausgestiegen und an Land gekrochen.
der Hafen von Big Corn Island

das Leben auf Big Corn…
Ob hier auch jemand arbeitet?
frische Fische im Hafen- fangen, ausnehmen, verkaufen
Auf Little Corn Island angekommen wandern wir mit unseren Rucksäcken und Eli-Jah mit seinem Samsonite Rollkoffer über die Insel, um eine Unterkunft zu suchen. Autos gibt es hier nicht, genausowenig wie Straßen. Die Insel ist so klein, dass man sie in gut 4 Stunden umwandern kann. Also wird gewandert.
Das erste Hostel war voll, das zweite zu teuer aber schon im dritten Anlauf fanden wir für 30 USD pro Nacht eine wunderschöne kleine Hütte am Strand – ganz für uns allein. Es war wildromantisch, ganz ohne Komfort aber mit sauberen Betten und Handtüchern. Nach unserem Erlebnis in San Juan del Sur zählte nur noch eines – Sauberkeit. 

vor unserer Hütte
unsere Hütte

in unserer Hütte
Wir waren so begeistert von dieser unglaublich schönen Karibikinsel, dass wir gleich aufbrachen, um jeden Winkel zu erkunden. Ganz allein wanderten wir Kilometer für Kilometer an weißen Sandstränden entlang, durch Regenwälder in denen wir die Mangos nur von den Bäumen zu pflücken oder von der Erde aufzuheben brauchten. Wir fanden eine Baumschaukel und hatten viel Spaß dabei um die Palme zu schwingen. Wir liefen bis in den späten Nachmittag hinein, trafen vielleicht 10 Leute auf unserem Weg und konnten die Schönheit dieser Insel kaum fassen.

Zurück in unserer Hütte machten wir uns auf die Suche nach einem vernünftigen Abendessen. Schließlich hatten wir ja seit dem Frühstück nur die Mangos im Wald gegessen und der Magen hing uns in den Kniekehlen.
Wir fanden die kleine Hütte von Joanna, in der sie und ihre Mutter für wenig Geld sehr gutes Essen anboten. Es war meist Reis mit Fisch oder Meeresfrüchten, dafür aber superlecker. Für nur 40 oder 50 Cordobas aßen wir wie die Könige. Joanna wurde unsere Stammgastgeberin und eine gute Freundin. Sie hatte immer eine Kokusnuss, die Chele für sie mit der Machete vom Baum holte, wenn sie ihm es auftrug. Wir halfen ihr beim Marketing ihres Kokusnussöls, dass sie selbst herstellte und gaben Tipps für Tripadvisor. Joanna war immer einen Ausflug wert und wir haben viel gelacht.
Joanna in ihrer Küche
Chele musste die Kokusnuss vom Baum holen wenn wir eine bestellten

Aber auch in unserer Hütte ging es stets lustig zu. Einen Spruch hatte immer jemand parat und an Schlagfertigkeit nahmen wir uns alle drei nicht viel. ;o)

Das witzigste an dieser Insel aber war die Sprache. Die Menschen hier sprechen Creol, eine Mischung aus Spanisch und Englisch, und wenn sie Englisch sprechen dann klingt das wie aus der Bronx von New York City. Als ich das erste Mal mein Frühstück bestellt habe und zur Antwort „Yo Ma’am“ bekam, dachte ich noch, es wäre ein Scherz. Aber es war keiner, genauso spricht man auf Little Corn Island – very cool…! 😉 
Wir hatten drei Tage auf Little Corn Island und nutzten gleich den zweiten für eine Schnorchelausflug. Was uns versprochen wurde, klang unglaublich. Haie und Adlerrochen sollten wir sehen, Krabben und Seesterne, Fische sowieso. Und alles haben wir gesehen. Ich hatte die GoPro mit und es sind die besten Videos, die ich je damit gemacht habe. Eli-Jah hat ein Video daraus zusammen geschnitten und bei Vimeo hochgeladen. Ein wenig geschummelt hat er, denn bei seinem Tauchgang am Tag drei sah er bei Weitem nicht soviel wie wir beim Schnorcheln. So gehören die Videos mit den Rochen und Haien eigentlich zu dem Schnorchelgang.
Es war traumhaft schön und eine Stunde schnorchelten wir zusammen mit unserem Guide durch die Riffe – bis Lotte und mir wieder fürchterlich schlecht wurde von dem Geschaukel der Wellen.
Am Abend gingen wir essen bei Joanna und danach auf ein Fest zu Ehren des Muttertags. Muttertag ist in Nicaragua eine wichtige Angelegenheit, da wird über Wochen gefeiert. Genauso Vatertag, Kindertag oder der Lehrertag – eigentlich nutzt man jede Gelegenheit zum Feiern. ;o)

Einmal mussten wir noch umziehen in eine Hütte gleich in dem Hostel nebenan. Es war ganz ähnlich, nur die Betten noch etwas luxuriöser.

Die restlichen Tage verbrachten wir am Strand und genossen das pure Leben.

Samstag fuhren wir mit dem verhassten Speedboot wieder zurück nach Big Corn Island, suchten uns ein Hotelzimmer, dessen heiße Dusche und gemütliche Betten wir so sehr schätzten, dass wir es für diesen Tag nicht mehr verließen. Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging unser flieger zurück. Man sagte uns, bis 6:30 Uhr könnten wir über das Feld laufen, danach ginge das nicht mehr, dann werde der Zaun geschlossen und man müsse anderteinhalb Stunden um den ganzen Flughafen herumlaufen. Wir verstanden es erst als wir die kleine Tür im Zaun durchschritten – und mitten auf der Landebahn standen, so wie viele andere Menschen, die zur Arbeit liefen… Noch nie hatten wir einen Flughafen über die Landebahn betreten und mit unserem Rollkoffer bewaffnet, zogen wir über den Asphalt. Es war ein eigenartiges Gefühl…

über das Rollfeld zum Check In…

Diesmal hatten wir tatsächlich eine große Maschine und mit Zwischenladung nach 15 Minuten in Bluefield flogen wir weiter nach Managua.
Corn Island ist eine der schönsetn Inselgruppen, die ich je gesehen habe. Es gibt keine Luxushotels, keine Autos und die Menschen überwältigen einen mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Es ist ein kleines, vom Massentourismus noch unentdecktes Paradies und auf jeden Fall eine Reise wert!

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