In Tabatinga angekommen, wanderten wir mit unseren 25 kg schweren Rucksäcken in sengender Hitze zur Einwanderungsbehörde. Hätten wir gewusst, dass es ein 30 Minuten Fussmarsch wird, hätten wir ein Taxi genommen. Aber wie das hier so ist, antwortete man uns auf unserer Frage, wie weit es noch sei, immer wieder: „Ganz nah, noch 5 Minuten.“.Nach 3 Monaten in Südamerika hätte ich es eigentlich besser wissen müssen. Durchgeschwitzt und am Ende unserer Kräfte erreichten wir dann die Immigration und bekamen um 8:00 Uhr unseren Einreisestempel für Brasilien.
Nach all den Strapazen und den letzten zwei Tagen auf dem Amazonas, beschlossen wir ganz kurzentschlossen, nicht das nächste Boot um 12 Uhr nach Manaus zu nehmen, sondern erst das am Freitag.Wir hatten noch genug Zeit und wollten uns drei Tage an Land erholen, bevor wir für weitere vier Tage auf dem Amazonas verbrachten. Wir sind hier in einem Dreiländereck – Peru, Brasilien und Kolumbien – und es ist ganz einfach auch ohne Stempel in ein anderes Land zu laufen. Weil es am billigsten ist, entschieden wir uns für Kolumbien und nahmen ein Hotelzimmer in Leticia.
In Leticia haben wir nicht viel mehr gemacht als die Stadt zu erkunden. Zwar kann man hier unglaublich schöne Dschungeltouren machen, aber wir hatten in der letzten Zeit soviel Dschungel, dass wir uns lieber beim Bäcker um die Ecke aufhielten, Chicharona aßen und anständigen Kaffee tranken.
Sonnenbrillen in Landesfarben – Brasilien und Kolumbien
Luxus! Wir gönnten uns eine Maniküre und Pediküre
mein täglicher Kaffee
Außerdem ist hier inzwischen die Regenzeit angebrochen und es regnet mehrmals am Tag monsunartig – sehr zu unserer Freude, denn die 35 Grad lassen sich eigentlich nur mit Regen ertragen.
Abends gingen wir Tejo spielen. Dieses Spiel musste ich Annika und Pablo einfach zeigen und wir hatten jede Menge Spaß, die kleinen Schießpulver-Plättchen mit Steinen zu bewerfen. 12 Bier und 3 Stunden später siegte unser Frauenteam endlich über Pablo. Zur Freude aller wurde ich von einem begeisterten Leticianer zum Salsatanzen aufgefordert – und hatte augenblicklich 10 Kameras und Handys um mich herum. Wir hatten viel Spaß an diesem Abend und sind lachend und zufrieden nach Hause gelaufen.
Am zweiten Abend wollten wir tanzen gehen, schafften es aber nur bis in die Bar „Moosh“ und nach einem Mojito und zwei Caipirinhas nur noch ins Bett. Es war trotzdem ein lustiger Abend mit einigen Anekdoten.
Ein Zettel, den ich zugesteckt bekommen habe. Auf Nachfrage am Nachbartisch, sagte man mir, dass „The Border“ ein Stundenhotel ist. Wir haben herzlich gelacht und sind mit dem schwulen Päärchen vom Nachbartisch tanzen gegangen.
Am Freitag bestiegen wir das Schiff Voyager I nach Manaus. Diesmal kein Frachter, war es ein sehr viel saubereres Schiff mit ausreichend Toiletten und Duschen. Wir platzierten unsere Hängematten und erkundeten die verschiedenen Decks. Hier konnte man es doch schon viel besser aushalten – unser zu Hause für die nächsten 4 Tage.
Ich hatte meine Hängematte mit Bandschlingen und Karabinern aufgehangen und wurde gleich von einem Argentinier angesprochen, ob ich auch klettern würde.Zusammen mit einigen anderen jungen Leuten aus Kolumbien und Brasilien unterhielten wir uns lange und nach einem schönen Sonnenuntergang über dem Amazonas gingen alle früh schlafen.
Am nächsten Morgen erwachte ich und mir war übel. Erst dachte ich, ich sei seekrank. Aber als Magenkrämpfe, Kopfschmerzen und hohes Fieber dazukamen, war mir klar, dass ich mir wohl einen Infekt eingefangen hatte – mitten im Amazonas,in einer Hängematteauf einem Boot, das noch 3 Tage bis zur nächsten Stadt brauchte. Mir ging es schlecht und ich wünschte mir nichts anderes als ein Bett in einem kühlen Zimmer mit einer eigenen Toilette. Zumindest regnete es wieder den ganzen Tag und war nicht ganz so fürchterlich heiß. An einiges erinnere ich mich nicht mehr, aber ich verbrachte den ganzen Tag in der Hängematte und schlief – das einzige, was ich tun konnte. Langsam ging das Fieber und die Übelkeit, die Magenkrämpfe blieben. Viele kümmerten sich um mich und fragten, ob sie helfen könnten. Ich bekam Schokolade geschenkt und Tee gebracht. Trotzdem bin ich sehr froh gewesen, meine Freunde als vertraute Menschen um mich zu haben. Pablo hat es dann am nächsten Tag erwischt. Es muss wohl etwas gewesen sein, das wir beide gegessen oder getrunken haben. Wir wissen es bis heute nicht. Nach einigen Tagen ging es uns allen besser. Immer wieder hatten wir aber auch in Manaus noch mit diesem Infekt zu kämpfen. Bei weitem war es aber nicht mehr so schlimm.
Am vierten Tag sahen wir Manaus auf uns zukommen, verließen das Schiff und liefen mit den Rucksäcken wieder gute 15 Minuten zu unserem Hotel.